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Klimaschutzquartier Baugebiet Unterfeld in Höchstädt

Durch den Einsatz einer hocheffizienten Heizungstechnologie in Kombination mit erneuerbar erzeugtem Strom gelingt uns die Energiewende im Wärmebereich:

Die weltweiten Brennstoffvorräte sind begrenzt. Ihre Erschließung ist technisch aufwändig und mit massiven Eingriffen in die Natur verbunden und nicht zuletzt verursachen sie enorme Emissionen. Umweltwärme hingegen steht in unendlicher Menge zur Verfügung.

Die Baugebiete der Zukunft brauchen eine effiziente und umweltfreundliche Wärmeversorgung. Um die Ziele des Klimaschutzes zu erreichen, geht die Stadt Höchstädt a.d.Donau im Baugebiet „Unterfeld“ neue Wege.

„Mit dem kalten Nahwärmenetz schaffen wir eine ökologisch und wirtschaftlich hocheffiziente Infrastruktur. Dank des innovativen Energiekonzeptes, bringen wir Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Stadt Höchstädt weiter voran“, betont Höchstädts Erster Bürgermeister Gerrit Maneth.

Das System der kalten Nahwärme kombiniert regenerative Umweltenergie (Sonne, Erdreich oder Grundwasser) mit dem effizientesten Heizungssystem – der Wärmepumpe.

Schon bei der Planung des Baugebietes wurden die richtigen Weichen gestellt. Neben der Erschließung der Grundstücke mit Wasser, Abwasser, Strom, Telekommunikation und Breitbanderschließung mit Glasfaser (1000 Mbit/s) wird jedes Grundstück einen Anschluss an ein kaltes Nahwärmenetz erhalten. Das geplante System setzt auf die vollständige Nutzung von regenerativer Umweltenergie. Das kalte Leitungsnetz liefert den in den Gebäuden installierten Wärmepumpen die benötigte Umweltenergie. Es transportiert die mit rund 10° Celsius niedrige Umweltwärme zu den Häusern, sodass keine Wärmeverluste entstehen.

Die im Grundwasser befindliche Energie wird in einem thermodynamischen Prozess mittels der Wärmepumpentechnologie in Heizenergie umgewandelt und ermöglicht so ein umweltschonendes Heizsystem. Die zentral erschlossene Grundwasserwärmequelle dient als Energielieferant.

Im Vergleich zu einer Luftwärmepumpe, die im Winter Außentemperaturen von -5°C und niedriger, physikalisch bedingt, weniger effizient arbeitet, ist die Wärmebereitstellung mit dem System kalte Nahwärme-Wärmepumpe deutlich ökologischer und ökonomischer.

So lassen sich aus einer 1kWh Strom 5 – 6 kWh Wärmeenergie erzeugen, bei Luftwärmepumpen hingegen liegt das Verhältnis 1kWh Strom zu 4 – 5 kWh Wärmeenergie. Zudem benötigen Luftwärmepumpen bei sehr tiefen Außentemperaturen oftmals eine zusätzlich verbaute, direkte Stromheizung.

Mit dem System der kalten Nahwärme ergeben sich somit ca. 20% geringere Betriebskosten und die CO2– Emissionen werden um 36% reduziert.

Nutzung von Eigenstromerzeugung

Um die kostenlose Umweltwärme nutzbar zu machen, benötigen Wärmepumpen lediglich einen kleinen Anteil Strom. Dieser kann entweder über das öffentliche Stromnetz bezogen oder über eine eigene PV-Anlage selbst erzeugt werden.

Durch selbst erzeugten Sonnenstrom wird das System noch ökologischer, da die Sonne die Energie zur Stromerzeugung kostenlos jeden Tag zur Verfügung stellt und die Wärmeerzeugung umweltfreundlicher und zusätzlich noch günstiger macht. Da die Wärmepumpe mit Strom und dadurch ohne jegliche Verbrennungsprozesse betrieben wird, entstehen vor Ort keine Emissionen in Form von schädlichen Gasen oder Feinstaub.

Klimabilanz wird kontinuierlich verbessert

Aufgrund des in Deutschland sehr starken Ausbaus der Erneuerbaren Energie (z.B. Solar, Wind, Biomasse) im Stromsektor, wird auch der Strom, der über das öffentliche Stromnetz bezogen wird, ebenfalls immer grüner (aktuell in der BRD schon über 40% erneuerbare Stromerzeugung).

Hinweis: Im Stromnetz der LEW ist der Anteil an regenerativer Stromerzeugung schon über 80%

Wichtig für die Effizienz der Wärmepumpen im Betrieb ist ein möglichst hohes Temperaturniveau der Wärmequelle und geringe Temperaturen des Heizsystems. Je kleiner der Unterschied ist, desto höher die Effizienz der Wärmepumpe.

Optimales Raumklima durch Kühlung

Aufgrund der immer wärmer werdenden Sommertemperaturen gewinnt das Thema Kühlung im Gebäude immer mehr an Bedeutung. Das System der kalten Nahwärme kann als einziges Heizsystem auch kühlen. Durch passive Kühlung ist es besonders effizient und die überschüssige Wärme kann im kalten Netz gespeichert und später wiederverwendet werden.

Gesetzliche Gebäudeanforderungen

Durch einen niedrigen Primärenergiefaktor (20% Anteil-Strom zu 80% Anteil-Umweltwärme) und als Technologie für Erneuerbare Energie können die Vorgaben des seit 1. November in Kraft getretenen Gebäudeenergiegesetzes (GEG) mit dem Kalten Nahwärmenetz in Verbindung mit Wärmepumpen problemlos und ohne große zusätzliche Investitionen in Gebäudedämmung (z.B. Dämmung, Verglasung) erreicht werden.

In Kombination mit einer PV-Anlage kann ein KfW 55 oder sogar ein KfW 40 Gebäude relativ leicht erreicht werden.

Lukrative Fördermittel

Das Marktanreizprogram MAP-Förderung wurde zum 1.1.2021 durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ersetzt.

  Wohngebäude
Effizienzhausstandard Bis 30.06.2021 (KfW) Ab 01.07.2021 (BEG)
55 15% von max.

120.000 € / WE

15% von max.

120.000 € / WE

55 EE und/ oder NH 17,5% von max.

150.000 € / WE

40 20% von max.

120.000 € / WE

20% von max.

120.000 € / WE

40 EE und/ oder NH 22,5% von max.

150.000 € / WE

40 Plus 25% von max.

120.000 € / WE

25% von max.

150.000 € / WE

Damit gilt im Neubau bis zum Inkrafttreten der BEG-Effizienzhäuser am 1. Juli 2021 die Förderung über zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse in den KfW-Programmen 153 „Effizient Bauen“ (Wohngebäude). In diesem Programm und als Teil von Effizienzhäusern werden auch heute schon Wärmepumpen gefördert.

Die Konditionen in diesem Kreditprogramm wurden 2020 bereits verbessert. Die Tilgungszuschüsse liegen dort aktuell bei:

  • 15% für ein Effizienzhaus (EFH) 55
  • 20% für ein EFH 40
  • 25% für ein EFH 40plus.

Die Prozentsätze beziehen sich auf förderfähige Kosten von max. 120.000 € pro Wohneinheit. Mit der neuen BEG-Effizienzhausförderung werden die KfW-Effizienzhäuser sowohl im Neubau als auch in der Sanierung ersetzt. Dabei wird es künftig eine Wahlmöglichkeit zwischen zinsgünstigem Kredit inkl. Tilgungszuschuss sowie einer neuen Anteilsförderung geben.

Die neuen Förderrichtlinien sehen grundsätzlich weiterhin die klassischen Effizienzhausstufen vor. Im Neubau wird es weiterhin die EFH-55, EFH-40 und EFH-40 plus geben. Darüber hinaus werden zwei weitere Differenzierungen eingeführt.

Eine neue erneuerbare Energie (EE)-Klasse, wenn der Wärme-/Kältebedarf zu mindestens 55% aus erneuerbaren Energien gedeckt wird und eine NH-Klassifizierung, wenn dem Gebäude ein Nachhaltigkeitszertifikat ausgestellt wird.

Für den Bauherrn im Baugebiet Unterfeld bedeuten diese neuen, ab dem 01.07.2021 geltenden Regelungen eine Erhöhung der förderfähigen Kosten und somit der Fördersätze.

Dies bedeutet bei einer Verbesserung vom KFW 55 Standard auf einen KFW 55 EE-Standard (Nutzung der kalten Nahwärme mit Wärmepumpe) eine Erhöhung der Fördermittel um 8.250 € je Wohneinheit.

Ausblick auf Energiekosten

Der Umstieg von fossilen Kraft- und Brennstoffen hin zu erneuerbaren Technologien ist ein Ziel, das die Bundesregierung mit einem Preis für CO2 verfolgt.

Die sogenannte CO2-Steuer verteuert Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas dabei so, dass sich die Kosten in Zukunft stärker am tatsächlichen CO2-Gehalt ausrichten. Sie soll die Bevölkerung zu einem bewussteren Umgang mit fossilen Energieträgern bewegen und Anreize schaffen, um auf moderne und klimafreundliche Technologien (Umweltheizungen) mit regenerativen Energieträgern umzurüsten.

Mit dem Klimapaket hat die Bundesregierung beschlossen, wie sich die CO2-Preise in Zukunft verändern. So kostet eine Tonne des klimaschädlichen Gases im Jahr 2021 25 Euro und steigt dann in den folgenden Jahren schrittweise auf 55 Euro pro Tonne 2025. Mit einer weiteren Verteuerung der fossilen Brennstoffe ist zu rechnen.

Neben dem CO2-Preis wird es in Zukunft auch Vergünstigungen geben. Konkret hat die Bundesregierung eine Senkung der Stromkosten entlang des Pfades der CO2-Bepreisung beschlossen. Das heißt: Ab 2021 sinkt die EEG-Umlage was zu einer Entlastung der Stromkosten führt.

Der Stadtrat der Stadt Höchstädt a.d.Donau sieht in der Heizungstechnologie „Kalte Nahwärme“ einen wichtigen Schritt zu einer gelungenen Energiewende. Deshalb wurde in der Sitzung vom 22. Februar 2021 sowohl die Benutzungssatzung als auch die Gebührensatzung für den Geltungsbereich des Baugebietes „Unterfeld“ beschlossen.

Neben attraktiven staatlichen Fördermöglichkeiten erhalten Erwerber im Baugebiet „Unterfeld“, die vor März 2021 einen Bauplatz von der Stadt Höchstädt a.d.Donau gekauft haben und an das Kalte-Nahwärme-System anschließen, zusätzlich einen einmaligen städtischen Investitionszuschuss in Höhe von 2.500 Euro. Nähere Auskünfte hierzu erteilt Ihnen die Kämmerei der Stadt Höchstädt a.d.Donau.

Außerdem steht das Bauamt allen interessierten Bauherren, Architekten und Unternehmen für Rückfragen zur „Kalten Nahwärme“ jederzeit gerne zur Verfügung.

Erster Bürgermeister Gerrit Maneth freut sich, dass die Stadt Höchstädt a.d.Donau bezüglich der Realisierung des hocheffizienten Heizsystems „Kalte Nahwärme“ in Sachen Klimaschutz und Umwelt als innovativer Vorreiter mit gutem Beispiel in der Region vorangeht.

„Es zeigt sich, dass der Stadtrat mit seiner Entscheidung für ein nachhaltiges und klimafreundliches „Kalte Nahwärmenetz“ völlig richtig lag.“, so Bürgermeister Gerrit Maneth.