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Deisenhofen

Herzlich Willkommen im Stadtteil Deisenhofen

 

Knapp 2 km von Höchstädt entfernt, etwa in der Mitte zwischen dem Goldberg, einem Ausläufer der Schwäbischen Alb, und dem Donaulauf, liegt Deisenhofen, das seit 1978 ein Stadtteil von Höchstädt ist. Die ältesten Bodenfunde in der Dorfflur stammen aus der späten Bronzezeit. Der Name Deisenhofen deutet auf eine frühmittelalterliche Siedlung hin und wird von den Ortsnamenforschern mit "Bei den Höfen eines Tiso" erklärt. Wahrscheinlich sind hier vom nahen Mörslingen aus die ersten Höfe angelegt worden.

 

 

St. Nikolaus, Deisenhofen

 

Urkundlich läßt sich Deisenhofen etwa seit dem Jahre 1140 nachweisen. Als zu dieser Zeit die Edelfreien Wolftrigel und Tiemo von Fronhofen (bei Bissingen im Kesseltal) Güter in unserer Gegend an das Stift Berchtesgaden schenkten, waren als Zeugen Hoholt von Deisenhofen und sein Sohn zugegen. Mit ihnen erscheinen zum ersten Male urkundlich Angehörige eines niederen Adelsgeschlechtes, wohl Dienstmannen, die sich nach Deisenhofen nannten und vermutlich dort die Ortsherrschaft ausübten. Am 6. Juli 1209 bestätigte Papst Innozenz III. dem Kloster Ursberg in Deisenhofen einen Hof. Am Neujahrstag 1284 übertrug in Lauingen der Ritter Diepold Gusso von Stronburg in Deisenhofen dem Maler Berenger unter Lehnsrecht ein Gut. Damit dieser und dessen Nachkommen das Gut unangefochten besitzen konnten, verzichtete der Ritter Diepold auf Bitten des Malers und vieler Männer in Gegenwart des Abtes von Kaisheim auf jede Gerichtsbarkeit unter der Bedingung, daß Berenger das Gut gegen ein Jahresreichnis von einem halben Pfund Wachs vom Abt zu Lehen nahm. Dieses Rechtsgeschäft bezeugten zwei Ritter von Deisenhofen, Johann und Siegfried genannt Keccer. Die wenigen Urkunden, die im 13. Jahrhundert von Deisenhofen berichten, lassen zwei wichtige geschichtliche Tatsachen erschließen: In Deisenhofen besaßen damals wenigstens zwei Klöster Grundbesitz, nämlich Ursberg und Kaisheim; außerdem lebte dort nunmehr eine Ritterfamilie, die den Namen "von Deisenhofen" führte. Weibliche Familienmitglieder der Ritter von Deisenhofen traten in Klöster des Donautals ein: Eine Schwester Hedwig von Teisenhofen gehörte 1280 als Nonne dem Dominikanerinnenkonvent zu Maria Medingen an. Zur Würde einer Priorin im Zisterzienserinnenkloster Lauingen brachte es 1460 eine Anna von Deisenhofen.

 

Im 14. Jahrhundert gehörte Deisenhofen zeitweise zur Herrschaft Faimingen, mit der es 1381 samt den wichtigsten Rechten an das Herzogtum Bayern verkauft wurde. In der folgenden Zeit blieb das Dorf eng mit der Entwicklung Höchstädts verbunden. Es zählte zu den Landschrannen des Landgerichts und Landvogtamtes Höchstädt; bis in die Regierungszeit des Pfalzgrafen Ottheinrich hinein wurde hier Gericht gehalten. Außerdem war Deisenhofen Sitz eines herzoglich bayerischen Vogtamtes. Verschiedene Grundherrschaften teilten sich in die grundherrlichen Rechte und erhielten Abgaben der Bauern von Deisenhofen. Wie aus dem ältesten Lehenbuch der Grafschaft Oettingen hervorgeht, besaßen dort die Grafen von Oettingen Besitz und Rechte, die sie als Lehen ausgaben. Einen Hof empfingen im 14. Jahrhundert die Ritter Siegfried und Dietrich von Altheim zu Lehen. Verschiedenerlei Abgaben bezog das Zisterzienserkloster Kaisheim aus mehreren Höfen und Sölden zu Deisenhofen. In dem 1 km westlich des Dorfes gelegenen Mittelheim am Klosterbach verfügte 1152 Kloster Neresheim, 1268 Kloster Maria Medingen über Grundbesitz. Neresheim vertauschte 1326 seinen Besitz an das Hochstift Augsburg. Von der einstigen Siedlung Mittelheim (zwischen Deisenhofen und Mörslingen) besteht nur noch die Mittelmühle. Von Gefällen aus einer Mühle in Deisenhofen berichtet übrigens bereits das bayerische Salbuch des Herzogs Ludwig II. aus der Zeit um 1270/80.

 

Nach dem Bayerisch Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1504/05 kam Deisenhofen ebenso wie Höchstädt an das neugegründete Fürstentum der "jungen Pfalz". Es blieb weiterhin - bis zur staatlichen Neuordnung im frühen 19. Jahrhundert Sitz eines Vogtes und eines Vogtamtes. Im Jahre 1560 bestand das Dorf aus 11 Höfen, 29 Sölden und 2 Mühlen. Der Dreißigjährige Krieg brachte für die weitere Entwicklung schwere Rückschläge, von denen sich die überlebenden Bewohner nur langsam erholten. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde Deisenhofen durch die unweit des Dorfes sich abspielenden Schlachten von 1703 und 1704 in Mitleidenschaft gezogen. Die Säkularisation kurz nach 1800 wirkte sich für die Bewohner des Ortes insofern aus, als sie nun nicht mehr an Klöster, sondern an den bayerischen Staat Abgaben leisten mußten. Die Giltuntertanen des Zisterzienserinnenklosters Niederschönenfeld in Deisenhofen beispielsweise wurden jetzt an das Rentamt Höchstädt überwiesen. Dieses Rentamt und dazu das Landgericht Höchstädt waren forthin bis zur Aufhebung wichtige Behörden für die Dorfbewohner. Ihnen unterstand die Gemeinde, die im frühen 19. Jahrhundert als Selbstverwaltungseinrichtung geschaffen wurde.

 

In kirchlicher Hinsicht war Deisenhofen bis zum Jahre 1867 eine Filiale der Pfarrei Mörslingen. Seit dem 14. Jahrhundert betreute sie ein eigener Priester, ein Benefiziat. Den Zehnt zu Deisenhofen, ein Lehen der Grafen zu Oettingen, verkaufte der Ritter Rembot von Altheim am 4. Mai 1326 für 140 Pfund Haller an Bischof Friedrich Spät von Falmingen und seine Kirche zu Augsburg. Die Grafen Ludwig (VI.) und Friedrich (II.) von Oettingen übereigneten am gleichen Tage zu Wallerstein diesen Zehnten mit allen Rechten, Nutzen, Gülten und Ehehaften dem Augsburger Bischof, nachdem ihnen der Ritter das Lehen mit anderem Eigengut zu Dorffinningen ersetzt hatte. Später erwarb der Ritter Rembot von Altheim den großen Zehnten zu Deisenhofen für 200 Pfund Haller von Bischof Heinrich von Augsburg zurück; am 17. Juni 1341 erkannte er dafür das Wiederkaufsrecht des Bischofs und der Kirche zu Augsburg an. Aus einer Urkunde des gleichen Bischofs Heinrich (III.) von Schönegg vom 1. Juni 1338 läßt sich entnehmen, daß damals in Deisenhofen eine Kapelle mit einem einfachen Benefizium ohne Seelsorge existierte. Dieses hatte der Pfarrer von Mörslingen zu versehen. Das Benefizium war mit einem Hofe zu Deisenhofen dotiert, der dem Benefiziaten 5 1/4 Schaff Roggen, 5 1/4 Schaff Kern, 7 1/2 Schaff Gerste und 10 Schaff Haber samt 4 Maltern in den vier Getreidesorten als Gilt reichte, und mit einem kleinen giltbaren Feldlehen.

 

Im Zeitalter der Reformation mußten die Bewohner von Deisenhofen viermal die Konfession wechseln: 1543, 1547, 1552 und wieder um 1620. Die Regierung von Pfalz Neuburg verkaufte im Jahre 1554 das Benefiziatenhaus in Deisenhofen und vereinigte die Dotation (Ausstattung) des Benefiziums mit der Masse des eingezogenen Kirchengutes. Nach der Rekatholisierung unter Herzog Wolfgang Wilhelm verging noch etwa ein halbes Jahrhundert, bis im Jahre 1683 das Benefizium wiedererrichtet werden konnte. Fürstbischof Johann Christoph von Freyberg und Eisenberg setzte damals einen eigenen Frühmesser ein, dessen Stellung und Obliegenheiten ein Vergleich zwischen dem Pfarrer Johann Six von Mörslingen und der Gemeinde Deisenhofen regelte. Das Ordinariat in Augsburg behielt sich eine jederzeitige weitere Verfügung vor und bestätigte den Vertrag am 27. September 1683. In ihm war folgendes vereinbart:

 

1. Der Frühmesser sollte ohne die Erlaubnis des Pfarrers zu Mörslingen niemals in Deisenhofen predigen, ebenso niemanden als alte, krüppelhafte und bresthafte Leute, und zwar nur zu heiligen Zeiten, in der Kirche Beicht hören; die Kinderlehre konnte er vor- oder nachmittags zu der ihm passenden Gelegenheit halten.

 

2. Dem Frühmesser wurde vom Pfarrer bewilligt, das heilige Evangelium zu verlesen, Wasser und Salz zu weihen, die Feste und Kinderlehre zu verkünden.

 

3. Wurden die Sonn- und Feiertage bestimmt, an welchen der Benefiziat in Deisenhofen die Frühmesse zu lesen hatte.

 

Der neue Benefiziat Franz Ribola konnte in Deisenhofen selbst nicht wohnen, weil sich dort kein Frühmeßhaus befand; er versah sein Benefizium von Dillingen aus, wo er noch weiterstudierte. Als er 1688 davon abtrat, wurde es dem Stadtpfarrer in Höchstädt zur leichteren Unterhaltung eines zweiten Kaplans überlassen. Durch diesen oder einen anderen Priester hatte er die Obliegenheiten des Benefiziums in Deisenhofen wahrnehmen zu lassen. Das blieb so, bis von 1732 an wieder eigenen, gleichfalls auswärts wohnenden Geistlichen die Abhaltung der Frühmesse übertragen wurde. Vom Jahre 1761 an konnte der jeweilige Benefiziat wieder in Deisenhofen selbst wohnen, da der Benefiziat Andreas Biber mit eigenen Mitteln ein Benefiziatenhaus baute. Die Gemeinde überließ ihm den Platz für einen Wurzgarten, 2 1/2 Tagwerk Mahd und eine kleine jährliche Zulage an Geld.

 

 

 

 

Die Dorfmitte

 

Eine wesentliche Aufbesserung erlangte das Benefizium durch den 1812 verstorbenen Benefiziaten Christoph Schaflitzel, der in seinem Testament das Frühmeßbenefizium zum Haupterben einsetzte. Von 3200 Gulden zur Verbesserung des Benefiziums sollten nach seinem letzten Willen 1200 Gulden zur Unterhaltung des Ewigen Lichtes in der Kirche dienen. Diese Voraussetzung ermöglichte es, daß das bischöfliche Generalvikariat 1812 die Einsetzung des Allerheiligsten erlaubte. Damit im Zusammenhang wurden auch die Befugnisse des Benefiziaten bezüglich der Versorgung von Kranken und der Kommunionspendung erweitert. Seit 1840 bemühte sich dann die Gemeinde um die Erhebung ihres Benefiziums zu einer Pfarrei oder wenigstens zu einer Pfarrkuratie. Nachdem aus Beiträgen der Gemeinde und einzelner Gemeindeangehöriger ein Zustiftungskapital von 3679 Gulden sich angesammelt hatte und ein jährlicher Zuschuß von 100 Gulden aus der Kirchenstiftung gewährt worden war, erreichte die Gemeinde Deisenhofen dieses Ziel. Am 5. März 1867 genehmigte König Ludwig II., daß in Deisenhofen eine neue katholische Pfarrei unter nachstehenden Bedingungen errichtet werde:

 

1. Die politische Gemeinde Deisenhofen - mit Ausnahme des bei der Pfarrei Mörslingen bleibenden Anwesens des Müllers Josef Bauer (Mittelmühle) - wird aus dem Filialverband mit der Pfarrei Mörslingen gelöst und bildet einen neuen selbständigen Pfarrsprengel; 2. als Pfarrwohnung dient das bisherige Benefiziatengebäude in Deisenhofen, an dem die Gemeinde die Baulast übernommen hat; 3. die Dotation der Pfarrpfründe Deisenhofen wird begründet auf das gesamte Stiftungsvermögen des Frühmeßbenefiziums Deisenhofen mit einem Reinertrag von 424 Gulden 7 Kreuzern, auf das von der Gemeinde und den Gemeindegliedern gesammelte Pfarrpfründe Stiftungskapital von 3679 Gulden, auf einen jährlichen Zuschuß der Kirchenstiftung mit 100 Gulden, auf die Stolgefälle und die Erträgnisse freiwilliger Gaben; hienach wird das Einkommen des Pfarrers vorläufig auf 702 Gulden 15 Kreuzer veranschlagt; ein Anspruch auf die zur Zeit den katholischen Pfarrern aus Staatsfonds gewährten Personalzulagen kommt dem künftigen Inhaber der Pfarrpfründe Deisenhofen nicht zu; 4. hinsichtlich des Besetzungsrechtes tritt das freie Collaturrecht des Bischofs von Augsburg in Geltung. - Nach Vorliegen der königlichen Erhebungsurkunde trennte Bischof Pankratius von Dinkel laut Urkunde vom 7. Juni 1867 die Filiale Deisenhofen vom Verband mit der Pfarrei Mörslingen und erhob das an der dortigen Kirche gestiftete Benefizium zu einer Pfarrpfründe. Erster Pfarrer von Deisenhofen wurde 1867 der bisherige Vikar Benedikt Hillenmayr. Im Zusammenhang mit der Errichtung einer eigenen Pfarrei legte man außerhalb des Dorfes am Wege nach Mörslingen einen Gottesacker an.

 

Die Pfarrkirche Deisenhofen hat das Patrozinium des hl. Nikolaus. Ihre Vorläuferin war die erwähnte, seit dem 14. Jahrhundert nachweisbare Kapelle. An den Bau einer größeren Kirche ging man zuerst im 15. und dann erneut nach der Wiedererrichtung des Benefiziums im späten 17. Jahrhundert. Im letzteren Falle scheint es sich um eine Vergrößerung eines spätgotischen Gotteshauses gehandelt zu haben. Vom Kirchenbau des 15. Jahrhunderts stammt wohl noch das Untergeschoß des Turmes. Den achteckigen Aufbau mit der Zwiebelhaube erhielt er im Jahre 1710. Arbeiten vor und nach 1700 an Langhaus und Turm führten einheimische Meister aus. Kostenvoranschläge lieferten u. a. 1707 der Hof- und Stadtmaurermeister Andreas Moosbrugger und der Zimmermeister Michael Graf, beide aus Dillingen. Die Barockaltäre aus dem letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts entstanden wohl in der Werkstatt eines Höchstädter Kunstschreiners. Den wertvollsten Schmuck besitzt das Gotteshaus von Deisenhofen in den Fresken und Altargemälden des Lauinger Rokokomalers Johann Anwander aus dem Jahre 1760. Damals erhielt die Kirche auch ihre Stuckdekorationen, vermutlich von den Brüdern Hoiß aus Apfeldorf, und auch weitere Teile der Ausstattung, darunter die Kanzel, den zweitelligen Beichtstuhl, die Chorschranke, die Stuhlwangen des Gestühls mit flach geschnitzten Akanthusranken, die oben in Löwenköpfen enden, und die schmiedeeisernen Apostelleuchter. Die Gemälde Johann Anwanders stellen großenteils Szenen aus dem Leben und aus Legenden des Kirchenpatrons St. Nikolaus dar, am Hauptaltar den Heiligen selbst, im Deckenfresko des Langhauses die Verklärung des hl. Nikolaus, an der Emporenbrüstung Taten und Wunder des hl. Nikolaus; die eleganten Stuckumrahmungen der Fresken zeigen gutes Muschel- und Rankenwerk der Wessobrunner Stukkatorenschule. Die Orgel der Kirche, das sichtbare Symbol der Kirchenmusikpflege in Deisenhofen, schuf 1860 der Höchstädter Orgelbauer Georg Zech. Unter den Holzfiguren der Kirche erinnern St. Leonhard an den Schutzpatron für das Vieh, St. Sebastian an den Helfer bei Pest und andere Krankheiten. - Ein knappes Jahrzehnt vor der Erhebung Deisenhofens zur Pfarrei, nämlich im Jahre 1858, mußte die Kirche um ein Joch verlängert werden; an den Arbeiten beteiligten sich der Maurermeister Häusler, der Zimmermeister Biber, der Schreiner Hartmuth, der Schlosser Uebelherr und der Glaser Schuster. 1871 ließ Pfarrer Benedikt Hillenmayr unter großen Opfern die Pfarrkirche restaurieren, 1873/75 eine Sakristei anbauen. Im jüngsten Jahrhundert ihrer Geschichte sorgten Restaurierungen der Jahre 1890, 1924 (Dachstuhl und Kirchendach), 1931/32 (Inneres), 1956/57 (Äußeres) und 1980 für die Instandhaltung des geistlichen Mittelpunktes der Pfarrgemeinde. - Unter den Nachfolgern des ersten Pfarrers von Deisenhofen, des um seine Pfarrgemeinde hochverdienten Benedikt Hillenmayr, der etwa vierzig Jahre in Deisenhofen lebte und wirkte, verdient noch der Pfarrer und Dekan Alfred Grashey, der den Pfarrhof vergrößern ließ, besonders hervorgehoben zu werden. Bis 1946 war die Pfarrei mit aktiven Pfarrern besetzt, danach noch mit zwei Geistlichen im Ruhestand, bis sie schließlich im Jahre 1958 ganz verwaiste. Seitdem wird Deisenhofen - wie schon früher - wieder vom Pfarrer von Mörslingen geistlich betreut.

 

Die Schulgeschichte von Deisenhofen reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1691 bestand bereits eine Schule. 1793/94 wird von der Erbauung eines Schul- und Mesnerhauses berichtet; 1817 und in den folgenden Jahren vermeldet ein Akt des ehemaligen Bezirksamtes Dillingen ebenfalls Baumaßnahmen am Schul- und Mesnerhaus. Rund ein Jahrhundert später, 1911, finden sich in einer Beschreibung der Volksschulstellen im Regierungsbezirke Schwaben über Deisenhofens Schule einige Bemerkungen. Nach ihnen ist das Schulhaus 1819 am südlichen Ende des Dorfes (am Bach) erbaut worden. Den Unterricht der Gemeindeschule hielt ein Volksschullehrer in einem Schulzimmer. Der Lehrer war zugleich Mesner und Organist, außerdem noch Gemeindeschreiber. Für die Gemeindeschreiberei bezog er 100 Mark. Den Handarbeitsunterricht für die Mädchen erteilte die Frau des Lehrers. Die Änderungen auf schulorganisatorischem Gebiet in den 1960er Jahren führten zur Auflassung der kleinen Landschulen. Deisenhofen verlor nun ebenfalls seine eigene Schule und schloß sich 1969 dem Schulverband Höchstädt an; seither besuchen die Kinder aus Deisenhofen den Unterricht im nahen Höchstädt.

 

Die Gemeinde Deisenhofen wuchs lange Zeit nur wenig und behielt bis in die jüngste Zeit herein den Charakter eines Dorfes, in dem die Landwirtschaft weit überwiegend die wichtigste Einkunftsquelle der Bewohner war. Nach dem zweiten Weltkrieg wandelte sich zum Teil die Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur des Ortes, der durch die modernen Verkehrsmittel, besonders durch das Auto, vielfältiger mit der Stadt Höchstädt verbunden ist. Verschiedene Zahlen mögen die Entwicklung des Dorfes im 19./20. Jahrhundert verdeutlichen und veranschaulichen: 1818 soll man in Deisenhofen 66 Wohnhäuser gezählt haben. Der Bistumshistoriker Placidus Braun gab 1823 für Deisenhofen 91 Häuser und 327 Einwohner an. In den 1880er Jahren erwähnte der Augsburger Regierungsschulrat Otto Hofmiller für das Dorf 81 Häuser und 367 Einwohner. Zu Beginn unseres Jahrhunderts beschrieb Jakob Hopp den Pfarrort als hübsches Dorf von 77 Anwesen mit 340 Einwohnern in ebener, wasserreicher und fruchtbarer Lage, mit mildem und gesundem Klima. Gebhard Müller verzeichnete 1911 in Deisenhofen 70 Wohngebäude und 335 katholische Einwohner, außerdem beschrieb er das Dorf, bevor es sich hauptsächlich durch die Modernisierung des Verkehrs sowie durch die Maschinisierung, Mechanisierung und Rationalisierung in der Landwirtschaft in mancher Hinsicht veränderte. Er berichtete: "Deisenhofen, am Brunnenbache, in einem sehr fruchtbaren Tale, von ansteigenden Höhen begrenzt. Hübsche Waldungen, vom Goldberg prächtige Aussicht. Obst kommt weniger gut fort wegen Klesunterlage. Meereshöhe 427 m. Klima gesund. Pfarrkirche im Nordosten des Dorfes, Gottesacker ca. 300 m von der Kirche. Getreidebau und Milchwirtschaft; Gewerbe wenig vertreten, Pumpbrunnen ... 2 Wirtschaften, keine Krämerei, 1 Bäckerei. Lebensmittel von Höchstädt; Fleisch von Höchstädt und Dillingen durch Bötinnen. Nach Höchstädt täglich Bötin."

 

Nach dem zweiten Weltkrieg hat sich vieles gewandelt. Lediglich die Gemeindefläche mit 616 ha blieb gleich. Die Zahl der Haushaltungen erhöhte sich allein zwischen 1946 und 1950 von 117 auf 138. Die Einwohnerzahl wuchs durch den Zuzug von Heimatvertriebenen zeitweise um etwa 180 Personen. Seit der Rekatholisierung im frühen 17. Jahrhundert war Deisenhofen lange ein rein katholischer Ort gewesen; nun gab es 1946 auch 30, 1950 noch 19 evangelische Einwohner. Wie anderswo überwog der Anteil der weiblichen Wohnbevölkerung: 1950 waren von den 479 Einwohnern 263 weiblichen Geschlechts. Die in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten verringerten sich zwischen 1946 und 1950 von 286 auf 228 Personen. Dieser Trend hielt späterhin an, aber auch die Einwohnerzahl ging zurück.

 

Das Kriegerdenkmal bei der Pfarrkirche gemahnt an die Gefallenen und Vermißten des 1. und 2. Weltkrieges: an 13 Gefallene und einen Vermißten der Jahre 1914-1918 sowie an 26 Gefallene und 9 Vermißte der Jahre 1939-1945. Eine Gedächtnistafel für die Gefallenen der Kriege von 1805/15 in der Pfarrkirche bringt die Namen von drei Toten in Erinnerung.

 

In den 1970er Jahren entstand am Ortsende in Richtung Lutzingen das Neubaugebiet Fallenweg Nord und Fallenweg Süd, eine reine Wohnsiedlung, die dazu beiträgt, den ursprünglich bäuerlichen Charakter des Dorfes zu verändern. Den wichtigsten Einschnitt in der jüngsten Geschichte von Deisenhofen stellte der 1. Mai 1978 dar, an dem die Gemeinde ihre Selbständigkeit verlor und der Stadt Höchstädt verwaltungsmäßig eingegliedert wurde.

 

Archivalien und Literatur: Bayerisches Staatsarchiv Neuburg, Rentamt Höchstädt Nr. 165; Bezirksamt Dillingen Nr. 180 f. - P. Braun, Historisch topographische Beschreibung der Diöcese Augsburg 1 . Bd., Augsburg 1823, S. 522. - A. v. Steichele, Das Bisthum Augsburg 4. Bd., Augsburg 1883, S. 638 643. - 0. Hofmiller, Topographisch historische Beschreibung des Kgl. Bezirksamtes Dillingen, Dillingen 1887, S. 50 f. - J. Hopp, Pfründe Statistik der Diözese Augsburg, Augsburg 1906, S. 234 f. G. Müller, Beschreibung der Volksschulstellen im Regierungsbezirke Schwaben und Neuburg, Augsburg 1911, S. 115. G. Rückert, Geschichte der katholischen Volksschulen im K.Bezirksamt Dillingen, in: Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen 1916, S. 104. A. Schröder, Die Ortsnamen im Amtsbezirk Dillingen, ebd. 1920, S. 45. - Amtliche Gemeindeverzeichnisse für Bayern 1946, 1950 (Heft 141, 170). - 0. V., Priesterlose Zeiten im alten Deisenhofen, in: Donau Zeitung vom 31. 10.1958. - W. E. Vock, Die Urkunden des Hochstifts Augsburg 769 1420, Augsburg 1959, S. 12, 124 f., 149. - H. Hoffmann, Die ältesten Urbare des Reichsstiftes Kaisheim 1319 1352, Augsburg 1959, S. 142, 157, 159. R. H. Seitz, Land und Stadtkreis Dillingen a. d. Donau, München 1966, S. 29. - R. H. Seitz, Deisenhofen, in: Landkreis und Stadt Dillingen ehedem und heute, Dillingen 1967, S. 298. - W. Meyer, Deisenhofen, in; Die Kunstdenkmäler von Schwaben VII. Landkreis Dillingen a. d. Donau, München 1972, S. 196 202. - H. Hoffmann, Die Urkunden des Reichsstiftes Kaisheim 1135 1287, Augsburg 1972, S. 223 f. - Einwohnerbuch 1974/75 Land- und Stadtkreis Dillingen a. d. Donau, S. 29 f. (H. J. Seitz), 76. - E. Grünenwald, Das älteste Lehenbuch der Grafschaft Oettingen. 14. Jahrhundert bis 1477, Augsburg 1976, S. 18, 55, 72. - M. Springer, Chronologische Aufzeichnungen aus der Barockzeit über das St. Agneskloster in Lauingen von 1270 1678, in: Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen 1978, S. 245 (über die Priorin Anna von Deisenhofen).

 

Der Text wurde entnommen aus dem Heimatbuch der Stadt Höchstädt verfasst von Dr. Adolf Layer, Höchstädt, 1981